Aus Versehen

Noch immer da. Oder wieder.
Vom Sommer neulich wachgeküsst.
Es lebt sich befreiter,
das Herz schlägt nun leichter.
Ein neues Stativ. Ein neues Gerüst.
Ein neues Spiel und Mut.

Schon immer da. Oder wieder.
Fast übersehen. Zum Glück gesehen,
dass es geht. Vielleicht doch.
Vielleicht erst jetzt, vielleicht immer noch.
Unerwartet. Unbedarft. Aus Versehen.
Wir sind aus Versehen gut.

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Herzblutspende

Ich träumte von uns heut Nacht.

Dachte, ich könnte vergessen,

Was nicht geschah.

Die Lanze brechen

Drei Kreuze stechen

Ich dachte, ich wäre vergessensbereit,

Vor Herzbruchkram gefeit mit dem Plan,

So zu tun als wär es absurd;

Meine stillheimliche Kopfgeburt.

Meine Herzblutspende

Hat den Plan gesprengt.

Etwas kann auch wahr sein, wenn man’s nur denkt.

Katharsis, bitte

Leichen in meinem Keller,
Artefakte von besseren Zeiten
verstauben verstorben in weiten
Korridoren. Zerfallen immer schneller

Von einem Früher bis Heute:
Ein Haufen nostalgischer Krempel,
aufgebahrt in dem Totentempel,
der Unsicherheiten in mir streute

Das Warten auf die Sintflut,
die Altlasten von mir spüle,
die solange um mich reiße und wühle,
bis nichts bleibt als ein vertanes Statut

Was einst

Was einmal verschlossen
Ertränkt und erschossen
Sollte bleiben
Wo man es hieß
Ist fortzutreiben
Wenn es sich ließ

Gesperrt in die Kammer
Schutt, Eis und Gejammer
Gut verriegelt
Ist halb verdaut
Fest versiegelt
Fast wie vertraut

Die Altlasten angestaut
Die Schutzschicht schon angetaut
Zum Vorschein kommt,
Was einst vermisst
Verloren prompt
Was man vergisst

Man will’s nur verdrängen
Zwischen zwei Zwängen
Es erpressen
Aus kaltem Kalkül
Aus blindem Ermessen
Doch bleibt’s, das Gefühl

Es bleibt da für immer
Ein flaues Geflimmer
Es sticht und drückt
Bis zur Verstörung
Es warnt, verrückt
Bis zur Erhörung

Zeit

Was rennst du und winkst mir und zerrst?
Was bringt es, dass du mir nostalgisch erklärst
Was war, doch dann mir den Ausblick verwehrst?

Was willst du, was kannst du bezeugen?
Die schlimmste Absicht mit Argwohn beäugen?
Nur du, Feind, du kannst mich brechen und beugen.

Was treibt dich, wie treibst du mich an?
Dein Vorteil ist das, was mich auslöschen kann.
Du rodest, säst, erntest und, Zeit, du feuerst Leben an.

Was wirst du mir einst noch erweisen?
Gibst Trost, doch drohst mir, schleichst auf leisen
Sohlen. Hol mich. Nimm mich mit auf vergängliche Reisen.

Rauschen

In meinem Kopf ist Rauschen
Kein Klingeln, kein Singen, kein Satz und kein Wort –
Nur Rauschen. Als wäre der Inhalt fort.

Ich lege mich zum Lauschen
Auf alte Echos, Widerhall. Ob etwas in mir aufbegehrt.
Doch nichts – als hätte man mich ausgeleert.

Wie stoisch ist die Stille
Wie schweigsam, wie anschmiegsam auch, wie ungehört.
Und ich. Ohne Ton. Bin nun von mir fast ungestört.

Wie einsam ist die Stille,
Wenn niemand mehr eingreift. Alle nur zufassen.
Und ich. Rausche. Als hätte ich mich allein gelassen.

Abgewandt

Wenn das schönste, was du siehst, dich traurig macht
Wenn du mit dem anderen Auge weinst während das eine lacht
Wenn du immer zu nah an der Brüstung stehst,
Hilflos ruderst, aber nie ganz untergehst

Wenn du erleichtert bist, dass der Alltag endet
Wenn du nicht mehr glaubst, dass das Blatt sich wendet
Wenn Zeiten gehen, wie sie kamen,
Sie Hoffnung brachten, doch wieder nahmen

Wenn Nächte nicht Schlaf, sondern Kopfgeschrei bringen
Wenn das Versagen stets näher scheint als das Gelingen
Wenn alles fern ist, nichts von Bedeutung,
Vergessen leichter als tatsächlich Läuterung

Wenn es dunkel um dich ist, weil es dunkel sein soll
Und du Wunder verschmähst – wie wird’s dann wundervoll?
Wenn Glück sich abgewendet hat – wende dich zum Leben
Und frag nicht nach dem Wie.
Es wird ein gutes Leben geben,
Weil es nicht zu spät ist – nie.