imaginärgedacht

Ich lasse diese kleine, virtuelle, koexistierende Parallelwelt verstauben und anrosten. Ich übe mich in imaginären Fluchtgedanken. Schmiede Pläne für ein Leben, das nicht meins ist und nicht meins sein wird. Schlösser, von Nebelmaschinen entworfen, effektvoll, aber ineffizient und beim Näherkommen fällt auf, dass es doch eher unangenehm künstlich riecht ( – Waldmeister?).

Oft nehme ich mir etwas vor, woran ich dann zu zweifeln beginne. Was tun? Ich frage mich: Ist es nun ein Zeichen von Schwäche, den Plan aufzugeben? Oder ein Beweis für Stärke, sich Irrwege einzugestehen? Stark, etwas durchzuziehen? Oder schwach, sich den Rückzug nicht zu erlauben? Und warum läuft es in meinem Selbstverständnis immer auf ein Schwächeeingeständnis hinaus? Wieso gibt es immer so viele Blickwinkel und keine Eindeutigkeit?

Das ist Einstellungssache, Anschauungssache. Wer sich das Leben schwer macht, hat selber Schuld.

Doch etwas Frohmut zum Schluss: vor gut einer Woche war ich in Hamburg auf einem Konzert von Olli Schulz. Mal mit Band, mal ohne, meist mit Gitarre, manchmal ohne und mit Herz, nie ohne, so spielte spielte er zweieinhalb Stunden Altes und Neues und erzählte und säte Eintracht unter seinen Zuhörern- und schauern. Was für ein Glück, dabei gewesen zu sein.

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Zwischen Schwer- und Freimut

In der Woche: arbeiten. Meistens 6 Stunden pro Tag, manchmal mehr. Danach oder davor Sport, 10 km Laufen oder 50 km Rennradfahren, das allerdings nicht jeden Tag, dazu fehlt Zeit und Motivation.
Am Wochenende: Hamburg. Gesellschaft, die nicht die eigene Familie oder Arbeitskollegen sind. Jeden Freitag oder Samstag so tun, als wäre der Sommer unendlich, obwohl das Wetter bereits jetzt mit der Realität um die Ecke kommt. Und obwohl ich diesen Sommer nicht für immer will. Nur jeden Freitag oder Samstag und den ganzen Rest weit wegschieben. Ein oder zwei Tage pro Woche so tun und mich so fühlen, als würde ich irgendwo hingehören. Und in der Woche ein anderes Leben.

Das Highlight der letzten Woche waren die Cyclassics in Hamburg. Mein Lieblingsrad und ich waren dabei, wenn auch nur auf der kurzen 55 km-Strecke, und waren mit 35,3 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit zufriedenstellend schnell unterwegs – das Wetter war schweinekalt, aber es blieb ausreichend lange trocken und es hat Spaß gemacht. Wie immer. So viele tausende Menschen bei einer Veranstaltung, mit demselben Ziel. Das Geräusch der surrenden Räder auf dem Asphalt. Keuchen, Treten, Ziehen, Kämpfen, nur für den Ehrgeiz. Für Millisekunden andauernde Freundschaften, nur für einen Blick mit demselben Gedanken. Erschöpftes Absteigen, erschöpftes Lächeln, ein bisschen stolz ist man ja doch – weniger auf die gefahrene Zeit oder Strecke, vielmehr darauf, dabei gewesen zu sein, ein Teil einer temporären Gemeinschaft.

Das Wetter wird wieder etwas besser, etwas sonniger, etwas wärmer. Sehr gut, falls man vorhat, am Wochenende ein Open-Air-Konzert zu besuchen. =) Zum Beispiel, weil man Karten für Avicii auf der Trabrennbahn hat und sich irrsinnig freut und Regen das ganze etwas trüben würde. Das nächste gemeinschaftliche Großereignis steht also an, doch jetzt erstmal… zur Arbeit.