Rezessive Selbstsicherheit, dominante Depressivität

Sich selbst nicht genug sein. In der Gruppe ein Puzzlestück, allein dann aber die Verlorenheit in Person. Selbst 14 Quadratmeter sind zu viel Raum, zu viel Leere. Ein Häufchen Elend, was sollen denn schon wieder die Tränen? Trüber Himmel, trübsinniges Gemüt, Trübsal bläst mir um die Ohren, durch den Kopf. Fröstelnd, zitternd wie von Abhängigkeit. Gestern noch und die Tage davor, da war ich noch ein Teil von, heute bin ich nicht genug allein. Kopfschmerzen, Magendrücken. Ibuprofen, mein Freund. Essen nicht bei mir behalten, meine Erleichterung. Anfangen, anfangen, ablenken, weglenken, wegdenken, was soll dieses Gefühl schon wieder? Was ist denn hier so schwer auszuhalten? Bitte lenk mich ab, bring mich vom Weg ab, zeig mir einen Weg, ich sehe nichts und ich will nichts sehen, nur davon träumen, dass es anders sein könnte.

Ich habe seit mindestens vier Wochen nicht mehr mit meiner Familie telefoniert und ich traue mich auch nicht, sie anzurufen. Ich müsste lügen, wie es mir geht, weil ich es nicht erklären könnte. Ich würde womöglich weinen und das würde sie traurig machen. Ich müsste sagen, dass ich nicht das schaffe, was ich schaffen müsste. Dass ich mich wie eine Versagerin fühle, weil ich die Kämpferin in mir nicht finden kann. Ich könnte sagen, dass ich superliebe Freunde habe, „einen Freund“, von dem ich nicht mal weiß, weshalb er „mein Freund“ ist. Ich seh ihn doch nur am Wochenende. Ich gehe doch nur auf die Nerven mit meiner ständigen Heulerei. Essen, Trinken, Sex. Das verbindet uns. Und sonst? Warum soll man das Beziehung taufen? Und immer sitzt mir die Angst im Nacken. Sie sagt mir, dass ich zu nichts zu gebrauchen bin. Nichts kannst du wirklich. Man braucht dich nicht. Du bereicherst kein Leben in einer Art, wie es nicht auch jemand anders könnte. Du gehst im Überfluss unter. Zu negativ, zu rezessiv, um sich durchzusetzen. Die natürliche Selektion wird dich beseitigen. Wie es sich gehört.